Museum Historisches Kalkwerk – Ofen 5 in Borna

Seit dem 11.12.2011 ist es nun endlich soweit: im restaurierten Kalkofen 5 im Kalkwerk Areal Borna ist das kleine Museum „Historisches Kalkwerk“ eröffnet. Der Kalkofen 5 stellt das letzte augenscheinliche Zeugnis der jahrhundertelangen Kalkproduktion im Gelände des früheren Kalkwerks Borna dar. Bis zum Jahre 2000 prägten die umfangreichen und weithin sichtbaren Anlagen des in den 1960er Jahren errichteten modernen Kalkwerkes die Landschaft um Borna. Doch nach der Stillegung des Betriebes und der weitgehenden Demontage der Anlagen kündete nur noch der grosse Tagesbruch vom bedeutenden Kalkabbau in Borna. Glücklicherweise blieb im ehemaligen Kalkwerk Areal jedoch der ehemalige Ofen 5 erhalten, auch wenn er zunächst weiter verfiel und von der Vegetation in Besitz genommen wurde.

Kalkofen 5 im ehemaligen Kalkwerk Borna - Zustand im Jahr 2007


Dieser Schachtofen aus dem 19. Jahrhundert wurde im den 1920er Jahren modernisiert und diente hauptsächlich zur Herstellung von Düngekalk. Um die bedeutsame Geschichte des Abbaus von Kalkstein und der Herstellung von Kalk in Borna zu bewahren und der Bevölkerung ins Bewusstsein zu rufen entstand im Jahr 2009 die Arbeitsgruppe Kalkofen im Rahmen des Fördervereins Dorfentwicklung Bahretal e. V.. Unter besonderem persönlichen Einsatz von Herrn Scholze und Herrn Fischer (Bornaer Hotel Concept) sowie vielen Sponsoren und freiwilligen Unterstützern gelang es, den Ofen von Schutt, Unrat und Bewuchs zu befreien. Bis zum Herbst 2010 konnte dann die Sicherung der Bausubstanz erfolgen, so dass der Ofen bereits im September zum Tag des offenen Denkmals erstmals von interessierten Besuchern in Augenschein genommen werden konnte.
Der Kalkofen 5 im ehemaligen Kalkwerk Borna zum Tag des offenen Denkmals am 12. September 2010
Bereits zu diesem Termin zeigte sich, dass ein grosses Interesse an der Geschichte der Kalkproduktion in der Region existiert. Mehr als 250 Besucher konnten gezählt werden. Im Jahr 2011 wurde weiter tatkräftig im und um den Kalkofen gearbeitet. Der Anbau konnte fertig gestellt werden, Feldbahngleise und Loren (Muldenkipper) kamen an den Ofen und auch im Umfeld des Kalkwerk Areals konnte ein weiterer historischer Kalkofen freigelgt und für Besucher erschlossen werden (Hafftmann’scher Kalkofen). Zur Jahresmitte 2001 waren die wesentlichen Arbeiten am Ofen und dem Anbau abgeschlossen und das Ensemble zeigte sich wieder in einem ausgezeichneten Zustand.

Der Kalkofen 5 im Kalkwerk Areal Borna im Juli 2011


Zusätzlich zum sanierten Kalkofen entstand bis Jahresende im Anbau ein Austellungsraum mit Anschauungsobjekten und 7 von Christoph Bieberstein gestalteten Schautafeln, die über das Historische Kalkgewerbe allgemein sowie in der Region um Borna (Elbtalschiefergebirge) informieren. Um der Eröffnung einen würdigen Rahmen zu geben wurde der 3. Advent als Termin gewählt. Ein Historischer Weihnachtsmarkt mit Ständen alter Gewerbe (Tischler, Zimmerleute, Schmied, Jäger) sowie eine kleine Bergparade mit der Knappschaft Berggießhübel konnte Dank der Hilfe vieler freiwillig Aktiver rund um den Kalkofen statt finden. Der Eröffnungstag wurde somit – dank auch des wunderbaren Wetters – ein grosser Erfolg: nachdem Bürgermeisterin Frau Kolba das Museum feierlich eröffnete strömten die Besucher auf das Gelände des sanierten Kalkofens.

Eröffnung des Museums "Historisches Kalkwerk" am Ofen 5


Die Veranstaltung war somit ein voller Erfolg und zeigt, welches Potenzial in der Geschichte des Kalkgewerbes in Borna und Umgebung liegen. Ein weiterer Ausbau des Museums und die Erhaltung weiterer umliegender Kalköfen ist das Ziel für die nächsten Jahre.

Historischer Weihnachtsmarkt am Kalkofen 5 in Borna

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Die Schanze auf dem Roten Berg

Aussicht Kanitzberg

Aussicht vom Kanitzberg auf die Höhenzüge entlang der Teplitzer Straße. Ganz rechts erhebt sich der Rote Berg.


Wenn man heute im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge unterwegs ist, dann kann man sich allerorten an freundlichen Dörfern und einer reizenden Landschaft erfreuen. Fällt der Blick von den aussichtsreichen Höhen um Liebstadt hinab in Richtung Elbtal nach Pirna und Dresden, dann breitet sich eine wahrhaft „friedliche“ Landschaftsidylle vor einem aus. Kaum mag man dabei glauben, dass dieser Landstrich einst viel Elend durch Kriegsereignisse erlebte! Solche tragischen Kapitel der Geschichte dieser Region waren den Menschen früher nur zu gut bekannt. Zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert gab es kaum eine Generation, die nicht selbst miterlebte, wie Söldner plündernd durch die Dörfer und Städte zogen. Der Dreißigjährige Krieg (insbesondere im Jahre 1639), der Nordische Krieg (1706), der Siebenjährige Krieg (1756) und schließlich der Befreiungskrieg gegen Napoleon (1813) brachte den Menschen rings um Pirna viel Leid.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen im Jahre 1813 erhielten durch den Aufenthalt von Napoleon Bonaparte in unserer Region eine besondere Aufmerksamkeit und man findet an vielen Orten Zeugnisse der Erinnerung an diese Wochen (eine Aufarbeitung dazu liefert das Buch „Napoleonschanzen und Kanonenkugeln“ von Klaus Kroitzsch aus dem Jahre 1987). Viele Denkmäler sind deutlich sichtbar an Straßen und Wegen errichtet, mancher Ort im Gelände hält durch den Namen die Erinnerung wach (Napoleonstraße, Napoleonstein etc.) und einige Anlagen dieses Krieges sind als markante Punkte weithin sichtbar (Napoleonschanze bei Hohnstein)… Spannend ist es dann, wenn man ein Zeugnis aus dieser Zeit abseits der Dörfer und Wege ganz versteckt gelegen entdecken kann. Eine derartige Entdeckung kann man auf dem Gipfel des Roten Berges machen, der zwischen den Dörfern Borna und Göppersdorf liegt. Hierher führt kein Wanderweg und man muss ein wenig Abenteuerlust mitbringen, um einen passenden Pfad zum Gipfel zu finden. Günstig ist es wohl, aus Richtung Erlichtteich zu kommen.

Von der alten Teplitzer- oder Poststraße schwenkt man über das Feld zum Berg hin ab und findet im Wald einen Pfad, der bis zum höchsten Punkt auf gut 430 Meter führt. Der Gipfel bietet nun keine großartige Aussicht, da ringsum Bäume den freien Blick versperren. Ahnen kann man aber, dass ohne Bewaldung ein Rundumblick in weite Ferne, insbesondere zum Elbtal möglich wäre. Genau dies war wohl auch der Grund, der französische Militästrategen im Jahre 1813 bewogen haben wird, hier oben eine Schanze anzulegen. Damit war der Rote Berg in weitere Befestigungen in diesem Gebiet eingebunden, denn bei Herbergen befanden sich am Käferhübel sowie südlich am Abzweig nach Liebstadt weitere Schanzen. Ebenfalls war die Hochfläche bei Cotta durch Feldbefestigungen gesichert gewesen. Oft sind keine oder nur noch wenige Reste von diesen Schanzen zu entdecken – umso mehr ist es dann spannend hier oben auf der kleinen Hochfläche des Roten Bergs auf deuliche Spuren zu treffen.

Schanze auf dem Roten Berg (1813)

Schanze auf dem Roten Berg (Ansich aus Nordwesten)

Wir sehen einen gut einen halben Meter tiefen Graben, der sich über eine längere Strecke verfolgen läßt. Meist ist der Graben mit Laub und Ästen gefüllt, aber dennoch deutlich zu erkennen. Ein leichter Wall (vermutlich Reste des so genanntes „Bankett“) an den Seiten ist an einigen Stellen ebenfalls zu bemerken. Es scheint eindeutig zu sein, dass es sich hierbei um Schützengräben handeln muss. JOBST schrieb diese in Band 4 der Buchreihe „Werte der deutschen Heimat“ (1961, S. 35) russischen Soldaten zu. KROITZSCH bemerkt jedoch in oben genannten Buch „Napoleonschanzen und Kanonenkugeln“: „Mit der Errichtung einer weiteren Schanze hatten die Franzosen auf der Kuppe des Roten Berges bei Göppersdorf, 700 m östlich der Straße, begonnen. Davon ist heute noch ein Grabenstück sichtbar.“ Dabei bezieht er sich auf eine Aussage von MOSCH aus dem Jahre 1816, der es wohl am genauesten gewusst haben dürfte.

Französische Schützengäben aus dem Jahre 1813 auf dem Roten Berg.

Schützengräben auf dem Roten Berg (Ansicht von Norden)

Folgt man dem Verlauf der Gräben, dann bemerkt man, dass die Gesamtanlage nach Norden ausgerichtet ist und nach Süden geöffnet ist. Angriffe wurden wohl hauptsächlich aus Norden, vom Elbtal und Pirna her erwartet. Diese etwa 25 Schritte lange Seite („Face“) der Schanze ist deshalb besonders stark ausgebildet und hat in der Mitte eine kleine spitz zulaufende, vorspringende Ausbuchtung. Die beiden seitlichen Flanken verlaufen ca. 30 bzw. 36 Schritte lang, wobei bei der längeren östlichen Seite ein Umbiegen nach Westen zu bemerken ist. Möglicherweise sollte die Schanze also tatsächlich noch vollständig geschloßen werden.

Grundriß der Schanze auf dem Roten Berg

Handzeichnung des Grundrißes der Schanze auf dem Roten Berg (Entwurf: Chr. Bieberstein, Maßstab ca. 1:200, genordet)

Wenn es nun auch sehr spannend ist, diese Relikte aus der Napoleonischen Zeit zu untersuchen, so muss man doch auch daran denken, dass diese Monate im Jahre 1813 den Menschen der Umgebung großes Leid gebracht hat. Als die Truppen in den Dörfern biwakierten und sich gegenseitig Scharmützel lieferten, hatte die Bevölkerung am meisten zu leiden. Eins unter vielen anderen kleinen Gedenkstätten der Region, mag der Denkstein mit der Aufschrift „Mädchengrab 1813“ bei Herbergen sein, der auf der Höhe des Käferhübels unweit des Roten Berges, etwas Abseits der Höhenstraße steht:

Mädchengrab 1813 in Herbergen

Der Denkstein "Mädchengrab 1813" bei Herbergen.

Die bedrückende Lage der Landbewohner schildert die „Kirchen-Galerie Sachsens – Band 4, Fünfte Abtheilung, Parochie Pirna“:
„Im J. 1813 litt Herbergen sehr viel, indem auf dessen Fluren ein langwieriges Lager der Franzosen stattfand. Im Octbr. 1813 wurden durch die Unachtsamkeit französ. Krieger die Gebäude eines Bauerguts in Asche gelegt; auch wurde das Dorf mit 3 Schanzen umgeben, von denen noch jetzt Spuren zu sehen sind. Am 8. Septbr. unterhielt sich Napoléon mit mehreren hiesigen Einwohnern und schenkte der Gemeinde 500 Frnks. Ein großes Unglück konnte aber noch durch folgenden Umstand herbeigeführt werden: Es hatten sich nähmlich noch im Spätherbste dieses verhängnißvollen Jahres eine große Menge Kosaken hier einquartiert; auch waren einige 20 M. von der österreichischen Landwehr als Sicherheitswache hier angekommen, welche, in Verbindung mit mehrern Liebstädter Bürgerschützen, mit den Russen in einen Kampf geriethen, wobei ein Kosake erschossen wurde; die dadurch erbitterten Russen wollten hierauf das Dorf in Brand stecken, doch wurde solches von unserm Gerichtsherrn, welcher bei der Russischen Armee in großem Ansehen stand, noch glücklicher Weise abgewendet. Der vierte Theil der Einwohner starb am Nervenfieber.“

Wie froh ist man dann, nun schon seit einer ungewöhnlich langen Reihe von Jahren durch eine „friedliche“ Landschaft andern zu können…

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Peststeine in der Sächsischen Schweiz

Wer zu Fuß in der Sächsischen Schweiz unterwegs ist, der kommt an vielen Steinen vorüber… So mancher Stein ist bewusst von Menschenhand an den Weg gelegt oder gestellt worden, und besitzt oder besaß eine bestimmte Funktion. Nicht immer muss es sich dabei um eine schöne und stattliche Postmeilensäule handeln – nicht immer weist eine Inschrift uns den Weg, wie es bei den vielen steinernen Wegweisersäulen in unserem Gebiet der Fall ist – und ebenfalls nicht immer erinnert der Stein an einen ruhmreichen Menschen oder eine glückliche Begebenheit… Manchmal erzählt uns ein Stein auch eine düstere Geschichte aus vergangenen Tagen.

So etwas passiert, wenn man an einem „Peststein“ vorüber kommt. Oft liegt solch ein Stein nicht unmittelbar am Wege, sondern er ist versteckt im Unterholz und nur selten und meist durch Zufall wird er von einem Menschen entdeckt. Eben dieses gilt für das sogenannte Pestgrab bei Hinterjessen. Wer die große Steinplatte aus der Nähe sehen möchte, muss sich etwas Abseits des Weges zur Grundmühle halten. Wer von Graupa aus zur Mühle wandert, muss sich an der Stelle, wo der Fahrweg mit dem Sandsteinpflaster sich als Hohlweg einzutiefen beginnt rechts halten. Am hineren Ende der Wiese, wo bereits der bewaldete Hang zum Ilkebach beginnt liegt das Pestgrab unter einigen Bäumen und Sträuchern verborgen.

Der Zahn der Zeit hat schon mächtig an diesem Block aus Sandstein genagt! Daher hat man kaum mehr die Möglichkeit den umfangreichen Text zu entziffern, der die gesamte Steinplatte bedeckt. Ein Versuch führt uns zu der Frage, warum heißt dieser Stein eigentlich „Pestgrab“, wie ihn Band 9 der Buchreihe „Werte der deutschen Heimat“ bezeichnet? Dort heißt es: „Die reiche teilweise verwitterte Inschrift […] berichtet von einer Lieberthaler Einwohnerin, die an der Pest starb und hier beerdigt wurde.“ Weniger sicher ist man, wenn man die Zeilen im Buch „Die Mühlen der Sächsischen Schweiz – rechtselbisches Gebiet“ liest, denn dort steht betreffs der Grundmühle: „Abseits des Weges, auf Grund und Boden der Mühle befindet sich ein einzelner Grabstein. Er erinnert an die 1634 im Alter von 44 Jahren verstorbene Justina Maukisch. Sie hatte 1608 den Müller und Richter George Maukisch geheiratet. […] Den Grabstein bei der Grundmühle ließ ihr jüngster Sohn Ambrosius Maukisch erst 1672 fertigen. Warum erfolgte die Beerdigung hier? Es gibt keine Antwort aus Archivalien. Zu bedenken ist aber, daß 1634 infolge des Dreißigjährigen Krieges großes Elend herrschte und Seuchen grassierten.“

"Pestgrab" bei der Grundmühle in HinterjessenDie letzte Wahrheit wird wohl im Dunkel der Geschichte verborgen bleiben! Mit etwas Mühe kann man vielleicht noch heraus bekommen, dass die Inschrift der Tafel davon berichtet, dass die Verstorbene 8 Kinder zur Welt gebracht hatte und ihr jüngster Sohn Ambrosius wohl erst 4 Jahre alt war, als die Mutter starb. Folglich hat er im für damalige Zeiten hohen Alter von 42 Jahren noch diesen Stein zum Gedächtnis der Mutter anfertigen lassen und ihn mit den tröstlichen Bibelworten Hiob 19 versehen: „Ich weis das mein Erlöser lebet und er wird mich hernach aus der Erden auferwecken…“

Ein solcher Stein ist nun im Landkreis Sächsische Schweiz keine Einmaligkeit. Unweit von Sebnitz gibt es einen ähnlichen Peststein. Dieser Sebnitzer Peststein liegt nordöstlich der der Straße Sebnitz – Neustadt und westlich des Neustädter Steiges, nahe den Fußballplätzen.

Peststein bei Sebnitz

Im Band 2 der Buchreihe „Werte der deutschen Heimat“ erfährt man eine geradezu ungeheuerliche Begebenheit, mit welcher dieser Stein verknüpft sein soll:

„Die aus dem Jahr 1740 stammende Inschrift an einem großen Granitblock […] erinnert an das Pestjahr 1680, verschweigt aber freilich, unter welchen Umständen die an dieser Stelle verstorbene Sebnitzer Einwohnerin Maria Wunderlichin ums Leben kam.  Man verwehrte ihr nach einem Besuch in ihrem pestverseuchten Heimatdorf aus Furcht vor Übertragung der Seuche die Rückkehr in die Stadt und überlies sie hilflos ihrer Krankheit. Nur mit einer so harten und unmenschlichen Maßnahme, die auch von anderen Orten bezeugt ist, wußte man sich gegen den gefürchteten schwarzen Tod zu wehren.“

Wer sich nun fragt, ob die Sebnitzer Einwohner nun wirklich solche gefühlskalten Zeitgenossen waren, dem empfehle ich eine Lektüre der Sühnekreuz-Internetseite. Vielleicht erfährt man, dass doch alles ganz anders war???

Peststein Sebnitz

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Weihnachtsmarkt in Lauenstein

Das Motiv des diesjährigen Weihnachtsmarktes in Lauenstein möchte ich als Weihnachtsgruß 2010 an alle Leser, Freunde und Bekannten senden.

Weihnachtsmarkt in Lauenstein, 3. Advent 2010

Seit nunmehr sechs Jahren besuche ich den Weinhachtsmarkt in Lauenstein. Jedes Jahr habe ich es seit 2005 geschafft, mir den 3. Advent gerade dafür frei zu halten. Und das, wo es in der Zeit vor Weihnachten durchaus schwierig ist, alle Termine unter einen Hut zu bekommen! Was lockt mich nur immer wieder in das kleine Osterzgebirgsstädtchen? …

Ganz einfach: die Weihnachtsromantik. Gewiss, Weihnachtsmärkte gibt es mittlerweile wie Sand am Meer (oder besser: Schnee im Winter), gerade, wenn man sich die sächsische Landeshauptstadt Dresden mit ihren unzähligen „Märkten“ beschaut. Bei einem solch großen Angebot sucht man gern das Besondere. Ich habe es für mich gefunden!

Sicher haben bisher nur Wenige von dem Lauensteiner Weihnachtsmarkt gehört. Im kleinen Städtchen mit heute nur noch knapp 600 Einwohnern findet der Weihnachtsmarkt lediglich am Nachmittag des 3. Adventssonntags statt. Dann stehen die kaum eine Handvoll Buden auf dem ungewöhnlich stark geneigten Marktplatze. Lauenstein hat somit sicherlich gute Chancen sowohl den Titel des „steilsten Marktplatzes“, als auch des „kleinsten Weihnachtsmarktes“ für sich zu beanspruchen.

Was für mich den besonderen Reiz eines Besuches in Lauenstein zum 3. Advent ausmacht, ist neben dieser „gemütlich-verschlafenen“ Atmosphäre, die Lage des Städtchens im Erzgebirge. Zwar ist der Einfluß des „Weihnachtslandes“ hier im östlichen Teil weniger stark zu spüren – und Mundart, Lichter in den Fenstern und der Gruß „Glück auf!“ – prägen weniger das Bild als im zentralen Teil des Erzgebirges, dennoch zeichnet die Lage des Städtchens auf dem steilen Hang des Müglitztales mit  umgebenden Waldhöhen ein romantisches Gebirgsbild. Das gilt natürlich in besonderem Maße, wenn – in fast 500 Meter Höhenlage nicht unüblich – der Schnee Alles noch ein wenig festlicher verziert.

Wenn nun wieder ein derart vorweihnachtlicher Wintertag zu erwarten ist, macht es besondere Freude, nach einer kleinen Wanderung, zur Dämmerstunde in das kleine Bergstädtchen zu kommen. Gern wähle ich den Weg von Bärenstein über die Sachsenhöhe hierher.

Wenn man aus dem Müglitztal, vorbei am Schlosse zum Städtchen Bärenstein hinauf kommt, erwartet einen buchstäbliche „Verschlafenheit“. Denn nur höchst selten begegnet man auf dem recht großen  Marktplatz mit seinen kleinen Häuschen einer Menschenseele. So kann man in aller Ruhe die Postmeilensäule mit ihren sage und schreibe 87 Inschriften bewundern.

Marktplatz Bärenstein

Auf dem Marktplatz im Städtchen Bärenstein: Postmeilensäule und "Altes Brauhaus".

Interessant scheint, dass unmittelbar auf der Mitte des Marktes nicht das Rathaus, sondern das „Alte Brauhaus“ steht: ein Frevel wäre es jedoch, deshalb auf die Vorlieben der Einwohnerschaft zu schließen. Das Städtchen welches bis 1921 die kleinste Stadtgemeinde Sachsens war, ist eine recht junge Gründung. Sie entstand erst zu Beginn des 16. Jh. (1502 unter dem Namen  „Naustadt“) unter der Herrschaft der Herren von Bernstein. Vom Marktplatze nach Süden hinaus, kommt man bergauf zur Sachsenhöhe, wo einst die Bergwerke des Städtchens lagen. Hier oben, schaffen des Winters rauhe Winde oft zauberhafte Kunstwerke aus Eiskristallen und dichter Nebel verhüllt die umliegenden Berghöhen. Das verklärte Bild vom „Winter-Wunderwald“ bekommt dann eine Note Melancholie.

Im Reich von Väterchen Frost

 

Eisnadeln
Eisnadeln am Weg zur Sachenhöhe.

Auf dem Weg über die Sachsenhöhe findet man zahlreiche Spuren des Zinnbergbaues. Gleich am Eingang des Waldes liegt das Mundloch des „Grünwaldstollens“. Die gesamte waldbedeckte Berghöhe ist übersät von Einsturztrichtern alter Bergwerke, sogenannten „Bingen“ oder „Pingen“. Wer den Wanderweg verlässt sollte also höchst achtsam sein, denn zum Teil tun sich hier Einsturzlöcher von über 20 Meter tiefe auf, in denen die alten Stollen und Weitungen des frühen Bergbaues sichtbar werden!

 

Grünwaldstollen an der Sachsenhöhe

Der Grünwaldstollen an der Sachsenhöhe

Aus dem Bergwald wollen wir nun hinab ins Tal. Da bereits die Dämmerung beginnt, lockt uns die Geborgenheit der Zivilisation. Den steilen Hang hinab ins Müglitztal schreiten wir geschwind und überqueren die Bahnlinie. Nun ist es nur noch ein kurzer Weg hinauf in das Städtchen Lauenstein. Aus dem Nebel taucht die Burgruine wie ein Geisterschiff auf und grüßt ernst aber freundlich herüber: nun haben wir die kleine Stadt erreicht, Laternen leuchten und weisen uns den Weg.

 

Burgruine und Schloß Lauenstein

Burgruine und Schloß Lauenstein grüßen durch den Nebel.

Durch eine kleine Gasse erreichen wir den Marktplatz, die Buden stehen wie jedes Jahr, Musik tönt, es riecht nach Gebratenem und Glühwein – es ist Weihnachten!

Wenn noch genügend Zeit verblieben ist, kann man hinüber, durch das Torhaus zum Schloss gehen. Oder man besucht die Kirche mit ihren phantastischen Bildhauerarbeiten des Pirnaer Künstlers Michael Schwenke. Altar und das Grabdenkmal der Herren Bünau stellen Kostbarkeiten der Renaissance dar und stehen den Kunstwerken des selben Künstlers in der Pirnaer Marienkirche nicht nach.  Da aber der Tag schon zur Neige geht, hat man wohl wenig Zeit, alles in dem Städtchen mit gebührender Aufmerksamkeit zu betrachten. So lohnt eine Wiederkehr – vielleicht im Sommer. Dann kann man auch den zauberhaften Blick vom Marktplatz mit dem Falknerbrunnen zum Torhause in anderem Lichte betrachten. Immerhin wurde diese Perspektive in der DDR-Zeit sogar auf einer Schallplattenhülle verewigt. (LP „Am Brunnen vor dem Tore“).

 

Lauenstein Markt mit Falknerbrunnen

Auf dem Launsteiner Markt.

Nun, nach einem letzten Glühwein, ruft der Heimweg! Noch ein letzter Blick durch eine der kleinen Gassen zur Kirche, und es geht wieder heimwärts… in die hektische Vorweihnachtszeit!

 

Lauenstein Kirche

Abschied aus Lauenstein.

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Gruseliges am Schiebteich

Jetzt im Herbst macht das Wandern besonders viel Freude. Die Laubfärbung und die tieferstehende Sonne setzen die Landschaft in ein besonderes Licht und geben auch bekannten Gegenden neuen Reiz. An einem solchen herrlichen sonnendurchfluteten Sonntag, wanderten wir mal wieder über die kleinen Steine bei Schöna: die Kaiserkrone und den Zirkelstein.

Panorama-Aussicht von der KaiserkroneDie Aussichten von beiden Felsen sind grandios und lohnen immer wieder einen Besuch. Zumal die Anreisewege günstig und die Aufstiege verhältnismäßig kurz sind. Naturgemäß kommen deshalb auch an schönen Tagen etliche Besucher hier hinauf. Schön ist es, wenn man dann auch noch einige stille Flecken findet! Gar nicht weit vom Zirkelstein findet sich ein verwunschener Ort mit ein wenig Gruselatmosphäre! Der Schiebteich.

Hierher verirrt sich woh nur sehr selten ein Wanderer. Zwar zeigt ein Wegweiser den Steig, wenn man vom Zirkelstein der Wandermarkierung mit dem gelben Strich über das Feld bis zum Waldrand im Süden folgte – doch wer wagt sich schon den ziemlich verwachsenen Waldweg hinab, da doch kein weiterführender Weg zu erwarten ist. Die in einigen Karten eingetragene Verbindung hinab ins Elbtal zumBahnhaltepunkt Hirschmühle ist nämlich ein kaum zu findender Pfad, der nur mit großen Mühen zu finden und zu begehen ist. Teilweise hat wohl tosendes Wasser die Befestigungen zerstört und Dornensträucher stellen eine Gefahr für Haut und Kleidung dar. Vom Elbtale hinauf mag man deshalb wohl kaum den Weg zum Schiebteich finden!

Wer nun von Richtung Zirkelstein hierher kommt, der wird auf dem Wege zunächst noch rechts einen verwachsenen Basaltbruch entdecken, in welchem einstmals ein winziges Vorkommen dieses harten Gesteins inmitten des sonst vorliegenden Sandsteines abgebaut wurde. Ähnliches findet man am Eisenhübel bei Reuterhof und auf dem Großen Zschirnstein.

Von besagtem Bruche geht es weiter hinab in den Schiebgrund – und wenig später hat man diesen romantischen Ort erreicht. Obwohl oberhalb ein großer Teil des Wassers bereits seit 1638 zur Wasserversorgung von Schöna abgezweigt wurde, kommt doch eine beträchtliche Menge in dem Grund entlang und wird durch einen Damm aufgestaut. Wenn nun der Tag schon zur Neige geht, gelangen die Strahlen der Sonne nicht mehr bis zur Wasserfläche: nun wird es ein mystischer Ort!

Mystischer Schiebteich - Versponnen 1Der Name von Bach, Grund und Teich mag wohl aus dem slawischen stammen, wurde er doch in der Karte von OEDER-ZIMMERMANN als „Zschirlbach“ verzeichnet. Die Ähnlichkeit zum Namen des „Zschirnsteines“ läßt mich dabei wie bei jenem an das tschechische Wort „černý“ = schwarz (dunkel) denken. Passen würde es allemal… Oder: waren hier die „Schieber“ (= Schmuggler) unterwegs zur nahen Grenze?

Mystischer Schiebteich - VersponnenEhe es ganz dunkel wird an diesem Ort, sollte man sich schnell hinab in’s Elbtal begeben. Aber, wie gesagt, der Abstieg ist sehr beschwerlich: Der Schiebgund ist ein typisches „Hängetal“. Bis zum Teich noch recht seicht absteigend, stürzt der Bach nun auf 400 Meter Entfernung um 100 Meter Höhe und es bilden sich viele kleine Wasserfälle.

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